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[514 Anhang.]

Nachtrag zum II. Bande, S. 79.

Zur Frage der Einführungszeit des jetzigen jüdischen Kalenders wird mir beim Abschluß des Druckes des vorliegenden Bandes ein Auszug aus einem Memoire bekannt, welches Mr. D. Sidersky der Académie des Inscript. et des Belles Lettres in Paris vorgelegt hat. Der Verfasser kommt für die Einführung der Reform auf das 3. Jahrh. n. Chr. Er legt wie ich (s. § 150) den Ausgangspunkt der Reform in die jüdisch-babylonische Kolonie. Indem er den Juden dieser Kolonie astronomische Kenntnisse zuschreibt, welche auf die Babylonier zurückgehen, findet er in der Beobachtung (oder Berechnung) der Sonnenfinsternis vom 2. April 219 n. Chr. die Hauptstütze der Reform. Das jüdische Datum dieser Finsternis entspricht dem Anfange eines Nisan (3979 W. Ä.). Da durch mehrere Jahrhunderte hindurch vor­her und nachher sich keine für Palästina und Babylonien bedeutendere Sonnenfinsternis ereignet hat, welche auf den Nisan-Anfang fiel und zugleich der jüdischen Berechnungsweise entspricht (welche der Ver­fasser nachzuweisen sucht), so sei das Datum der Finsternis als astronomischer Ausgangspunkt der Reform angenommen worden. Da ich, wie bemerkt, nur einen kurzen Auszug der Abhandlung vor­liegen habe, so kann ich vorderhand die weiteren Begründungen des Verfassers nicht nachprüfen. Daß die Sonnenfinsternis vom 2. April 219 während des Zeitraums von 1—500 n. Chr. die einzige war, welche auf einen Nisan-Anfang fiel und für Babylonien als sichtbar vermutet worden sein kann (tatsächlich betrug die Maximalphase für die Stadt Babylon nur 7 Zoll), hat allerdings seine Richtigkeit; nur die partielle Sonnenfinsternis vom 2. April 238 n. Chr. fiel ebenfalls auf einen Nisan-Anfang, war aber für Babylonien unsichtbar.

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