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[§ 163. Afrika. 133]

§ 163. Afrika.

Das alte Jahr auf Madagaskar war ein Mondjahr von 12 Monaten zu je 28 Tagen; weitere 18 Tage wurden so über das Jahr verteilt, daß man den Monat mit dem Neumonde an­fangen konnte. Die Namen der Monate sind verschieden, die einen arabischen, die anderen Bantu- und Sanskrit- (indischen) Namen ent­lehnt. Die ersteren kommen mit den arabischen Zodiakalbezeichnungen (s. diese I 78) überein:

[134 IX. Kapitel. Zeitrechnung der Naturvölker.]
1. a'lahama'di5. a'lahasa'ti 9. a'lakau'si
2. adau'ru6. a'sumbu'la10. a'dija'di
3. adizua'za7. a'dimiza'na11. ada'lu
4. asu'ruta'ni8. a'lakara'bu12. a'luhu'tsi.

Die Wochentagnamen verraten noch unmittelbare arabische Abkunft:

zuma'Freitag[ arab. el dschuma, s. I S. 257]
a'sabu'tsiSonnabend[  „  el sabt ]
a'laha'diSonntag[  „  el ahad ]
a'latsinai'niMontag[  „  el ithnain ]
tala'taDienstag[  „  el thulâthâ ]
a'larubi'aMittwoch[  „  el arbiâ ]
a'lakami'siDonnerstag[  „  el khamîs ]

Es sind auch Jahresperioden (zu 7 Jahren) in Gebrauch, in welchen die Jahre die Bezeichnungen Sonntag-Jahr, Montag-Jahr usw. führen. Das Jahr 1836 war ein Mittwoch- Jahr. Das alte made­gassische Mondjahr scheint notdürftig als Naturjahr ausgeglichen worden zu sein; in einigen Teilen Madagaskars ist jetzt das mo­hammedanische Jahr angenommen; der Monat a'lahama'di entspricht dem Schawwâl1).

Die Suaheli stehen mit ihrem Jahre ganz unter arabischem Einflüsse, gebrauchen jedoch neben dem mohammedanischen Mondjahre beim Feldbau und der Schiffahrt noch das dschelalische Sonnenjahr (I 300). Sie feiern sehr streng das Ramasan-Fest und das große Baïram, außerdem ein Fest der Jahreswende (koja mwaka) an den letzten beiden Tagen des Jahres. Die Wochentag- und Monatsnamen werden mit Hilfe der Ordnungszahlen (a pili = der zweite, a tatu = der dritte usw.) gebildet:

Wochentage:Monatsnamen:
djumaoder eldjuma  
mfunguo

  „   siku ya eldjuma  Freitag mosisitta
djuma ya mosioder a mosiSonnabend pilisaba
djuma ya pili „  a piliSonntag tatunane
djuma ya tatu „  a tatuMontag nnetisa
djuma ya nne „  a nneDienstag tanokumi
djuma ya tano „  a tanoMittwoch mlisho
alkhamisi [arab. el khamîs]Donnerstag ramazani

1) Näheres bei G. Ferrand, Note sur le calendrier malgache et le Fandruana (Revue des Etudes éthnogr. et sociol. 1908).

[§ 163. Afrika. 135]

Der erste dieser Monate entspricht dem arabischen Schawwâl, der vorletzte dem Schabân, der letzte dem Ramadân. Betreffs der Wochen­tage ist zu bemerken, daß djuma auch „Woche“ heißt (djuma moja = eine Woche, djuma mbili = zwei Wochen usw.) und daß auch die julianischen Monatsnamen Verbreitung finden (yanuari, fehruari, maris, aprili usw.). Das Jahr (mwaka, sene) faßt 6 oder 7 Haupt­zeiten:

Der Tag (siku) hat 24 Stunden und wird (mohammedanisch) mit Sonnenuntergang begonnen; die Tagesstunden (saa) werden von da ab mittels der Ordnungs- oder Grundzahlen gezählt: saa ya kwanza resp. saa moja ya usiku = in der ersten Stunde, oder die erste [Abend-] Stunde. (C. Velten).

In Nordostafrika, bei den Galla, Somâl und Danâkil scheint keinerlei Beziehung der Zeitrechnung zum Mondjahr vorhanden zu sein, obwohl bei allen drei Völkerschaften besondere Bezeichnungen für die Mondphasen existieren. Sie behelfen sich mit der rohen Kenntnis eines Naturjahrs, dessen Anfang sie mittels der Auf- und Untergänge der Sterne und aus der Beobachtung der Jahreszeiten bestimmen. Die Somâl und Danâkil rechnen längere Zeitintervalle nach der Zahl der Regenzeiten. Eine Ära besitzen die Nordost­afrikaner nicht. Die Galla feiern alle 8 Jahre ein Fest, bei welchem die Leiter der freien Gallastämme gewählt werden; dieses Fest (butta) ersetzt notdürftig eine Ära. Eine große Periode von butta heißt gada (oder sassada). Das Alter der Kinder z. B. wird nach dem Jahre der gada-butta angegeben. Bemerkenswert ist, daß die Somâl und Danâkil sich betreffs der Feste ganz an die des mohammedanischen Kalenders halten, die Festvorschriften aber nur lau befolgen, und daß die Galla südlich von Schoa die christlichen Feste der Abessynier benützen, besonders das Masqual- oder Kreuzauffindungsfest feiern. Zeiträume von 7 Tagen, Monaten oder Jahren heißen die Danâkil malegano, zeitrechnerisch scheint aber dieser Periode keine Bedeutung zuzu­kommen (die Siebenzahl ist heilig). (Ph. Paulitschke.)

Die nördlichen Somali (Afrika und Südarabien) lehnen sich mit ihren Zeitbenennungen schon stark an die mohammedanischen an, wie man aus den Namen ihrer Wochentage (mâlmihi ayâmada) ersieht:

[136 IX. Kapitel. Zeitrechnung der Naturvölker.]

jîma, jûma Freitag, sabtî-di Sonnabend, ahâd-di Sonntag, isnîn, itnîn-ti Montag, salâsa-di, talûd-di Dienstag, arbaâ-di Mittwoch, hamîs-ti Donnerstag (vgl. die vorher S. 134 angeführten arabischen Namen). Die Namen der Monate (bil-o) verraten mehr selbständige Bildung:

1.dâg-o, dâgâ-di, (dâgo = Geschenk1; in diesem Monat sollen keine Raubzüge unternommen werden, er ist vielmehr für Almosen u. dgl. bestimmt.
2.bil dûra hôre (sâfar-ki); dûra = Ausfluß (in diesem und dem 3. Monat fließen die angeschnittenen Weihrauchbäume); hôre = erster.
3.bil dûra dâmbe; dâmbe = zweiter (Ausflußmonat).
4.râdjal hôre}hôre = erster}
5.râdjal ḍâḥadâha = mittlererrâdjal (?)
6.râdjal dâmbedâmbe = letzter
7.sabbûh-di; arabische Bezeichnung, hergenommen von den Schlachtungen am Berge Arafat bei Mekka.
8.wâ-bîris-ki = Zeit der Ernte.
9.sôn-gâd-di}sôn = Fasten; Fastenhaltung resp. Fastenlösung.
10.sô-fûr-ti
11.sidatâl, sidatâši (?)
12.‘arâf-o, ‘arafâ-di; ‘arafo ist dem arabischen ‘arafat entlehnt (der Pilgermonat nach Mekka).

Der erste der genannten Monate entspricht dem Moharrem, der letzte dem Dhul-hiddsche. Das Jahr (sanâd-di) hat 4 Hauptzeiten: gû-gi (Regenzeit), hagâ-gi (heiße Zeit), dahân-to (kühle Zeit), jilâl-ki (trockene Zeit).

Für ganz Nordafrika gilt das mohammedanische Jahr. Sein Einfluß reicht bis tief in den Sudan und nach Bornu. Die Monats­namen in der Bornusprache (Kanuri) sind korrumpierte arabische Namen (vgl. I 253); es sind nach S. W. Koelle, vom Moharrem an­fangend, folgende:

mâram
šâfer
lafeloual
lafelayer
wotšimada-loual
wotšimada-layer
radšab
šaban
armalan
soual
kide
atši [= Dhul-hiddsche]

1) Die Bedeutung der Namen nach einer Mitteilung von H. Hofrat L. Reinisch.

[§ 163. Afrika. 137]

Bei den Nachbarvölkern des Bornustaates herrschen ebenfalls stark an die arabischen Monatsnamen anklingende Bezeichnungen der Monate vor, doch treten auch selbständige Namen, wie bei den Fulde und Songai (Agades und mittlerer Niger), Maba (Baghirmi) und nament­lich bei den Haussa auf1. Für die letztere, einen großen Teil des Sudans umfassende Sprache, die Haussa-Sprache, führe ich die Monats­namen an, welche Muhammed Beschir angibt2, mit den Erklärungen von J. Lippert und Varianten bei A. Mischlich (Haussa für Kano und Sokoto):

  1. wota-n wâs-n wutâ ŝine wota-n tshika-n šekara = Monat des Spielens mit dem Feuer d. i. Monat der Vollendung des Jahres [Nach Mischlich wird im ersten Monat Moharrem das wauwo- oder Fackelspiel gefeiert; betreffs der anderen Bezeichnung „Vollendung des Jahres“ vermutet Lippert, daß bei den Haussa vielleicht erst das Ǎschûra-Fest (10. Moharr.) das Jahr einleitet] = Moharrem.
  2. wota baki = schwarzer Monat d. i. Unglücksmonat ; wota-n-gâni [Mischlich: Monat des gâni-Spiels] = Safar.
  3. wota-n ar-rabi rabi [Mischlich: wota-n-takutiha oder takutufa. nach einem Spiele benannt] = Rebî el awwel.
  4. wota-n tago-n fari = Monat des ersten Zwillings, d. h. des älteren Kindes eines Zwillingpaares [Mischlich: ware-ware-n-farin, nach dem Namen eines Vogels genannt] = Rebî el âkhir.
  5. wota-n tagoi na-biu = Monat des zweiten Zwillings [Mischlich: ware-ware-n-biu] = Dschumâdâ I.
  6. wota-n gambo = Monat des auf ein Zwillingspaar folgenden Kindes [Mischlich: ware-ware-n-uku] = Dschumâdâ II.
  7. wota-n azumi-n tofofi = Fastenmonat der alten Leute [Mischlich: tsôfafi] = Redscheb.
  8. wota-n yayi-n zana = ? [Mischlich: wota-n sharua-n-tsôfafi = Monat des Wassertrinkens der alten Leute] = Schabân.
  9. wota-n azumi-n duka gari = Monat des Fastens der ganzen Stadt = Ramadân.
  10. wota-n sala karama = Monat des kleinen Festes (Mischlich: kl. Sallafestes) = Schawwâl.
  11. wota-n gani = ? [M.: wota-n bâwa-n-sallôlî = Monat der Sklaven der Sallafeste] = Dhul-kade.

1) Vgl. die Sammlung der Monatsnamen von Heinr. Barth, Sammlung u. Bearbeitung zentralafrik. Vokabularien, 3. Teil, 1866, S. 154.

2) Mitteilungen des Semin. f. Orient. Spr. z. Berlin, 3. Bd., 1900, S. 200. Die Haussa-Monatsnamen bei Barth weichen gegen diese Namen verschiedentlich ab.

[138 IX, Kapitel. Zeitrechnung der Naturvölker.]
  1. wota-n sala baba = Monat des großen (Salla-)Festes1 [M.: wota-n-baba-n-salla; wota-n laiya, Monat des Lammschlachtens] = Dhul-hiddsche.

Die Wochentage sind in den Ländern südlich und westlich des Tsad, in Bornu, Haussa usw. immer noch nach den arabischen benannt, ein kulturgeschichtliches Zeugnis dafür, wie weit der Einfluß des Mohamme­danismus reicht. Es seien hier nur die Wochentagnamen im Haussa, Kanuri (Bornu) und Teda (Kanem) von Freitag an genannt, gegen welche die im Fulde, Baghirmi, Wandala usw. gebräuchlichen nur geringe Varianten zeigen (Barth, Mischlich):

HaussaKanuriTeda HaussaKanuriTeda
jumuadsümma (lema)eldsümnia talâtatalagetleta
asabarsebdaessebdu larbâlarabelaraba
lahadilâdelahadu alhamislamisulamisu.
litininletelineltnin


Desgleichen sind die mohammedanischen Gebetstunden bekannt; für die Bezeichnung der Tageszeit (Zeitstunden) gelten in Bornu 12 be­sondere Wörter. Bemerkenswert ist noch, daß man in Bornu oft von gewissen Ereignissen aus datiert; so hatte man die Jahre der ein­getretenen Hungersnot mit Namen belegt und datierte von solchen Hungerjahren.

Ebenso gilt der mohammedanische Kalender bei den in Sene­gambien und am oberen Niger (Sikasso, Kani) sich ausbreitenden Mande (Mandingo, Mandinka). Die Wochentagnamen sind arabischen Ursprungs: aridjuma (Freitag), sibiti (Sonnabend), lahadi (Sonntag), tene (Montag), tarata (Dienstag), laraba (Mittwoch), lamisa (Donners­tag), (vgl. die vorher S. 135 f. aufgeführten Namen bei afrikanischen Völker­schaften). Für die Monate haben die Mande eigene Namen sowie arabische; Delafosse gibt folgende an (Dyula-Dialekt):

  1. gjo-mbende oder moharamu [= Moharrem].
  2. do-mba-ma-kono d. i. der dem 3. Monat [do-mba] vorausgehende Monat; oder sofuru [= Safar].
  3. do-mba d. i. der große Tanz (mit Beziehung auf das Meulud-Fest am 12. d. M.); oder rabiulawali [= Rebî I].
  4. do-mba-koro-ko d. i. der auf den do-mba folgende Monat; oder rabiulahiri [= Rebî II].

1) Die Feste, besonders die beiden Salla-Feste, stehen nicht immer in den nach ihnen benannten Monaten, sondern werden von den Priestern nach dem Stande des Mondes (und wahrscheinlich auch der Sonne) bestimmt.

[§ 163. Afrika. 139]
  1. koro-ko-fila-na d. i. der zweite nachher (nach dem Monat do-mba); oder gjamazulawali [= Dschumâdâ I].
  2. kamu-do-ma-kono d. i. der (Monat) vor dem kamu-do (7. Mon.); oder gjamuzulahiri [= Dschumâdâ II].
  3. kamu-do oder radzaba [= Redscheb].
  4. su-ngari-ma-kono d. i. der vor dem sungari (9. Mon.); oder suambana [= Schabân].
  5. su-ngari, Fastenmonat; oder ramalana [Ramadân].
  6. mi-ngari d. i. der Monat wo man trinkt (mit Beziehung auf die Trankopfer, die auf den Fastenmonat folgen); oder suali [= Schawwâl].
  7. do-ngi-ma-kono d. i. der Monat vor dem do-ngi (12. Mon.); oder djuliekadi [= Dhul-kade].
  8. do-ngi oder djuliagidati [= Dhul-hiddsche].

Für Nordafrika speziell ist noch zu bemerken, daß, obwohl als offizielles Jahr das mohammedanische Mondjahr gilt, bei verschiedenen Berberstämmen in Marokko, Südalgerien und im Sudân als Monats­namen bisweilen die julianischen (resp. römischen) angewendet werden, und zwar ist dies meist der Fall, wenn in der Datierung eine Beziehung zu den Jahreszeiten (zum Sonnenjahre) ausgedrückt werden soll, wie bei der Angabe alter Feste, deren Entstehung der vor­islamischen Zeit angehört, bei der Datierung von Naturereignissen oder Angelegenheiten, die den Ackerbau betreffen u. dgl. Die julia­nischen Monatsnamen kommen schon bei den marokkanischen Schrift­stellern der früheren Jahrhunderte vor; sie scheinen von Spanien aus durch die Marokkaner eingeführt worden zu sein oder rühren aus der maurischen Zeit her. Einige Varianten dieser Namen setze ich als Illustration hier an1:

Südspan. 13. Jahrh.Marokko Figig
[Südwest-Marokko]
Nord-Marokko

yannayr yennaïryinnayr
fibrayrfabrâir fubraïrfebrâyar, ibrâyr

mârs marsmars
abrîlibrîl ibrîrebrîl
mâyuhmâyuh, mây mâyûmâyû, mâyuh
yûniyuhyûniyuh, yunyuh yûlyûyunyuh
yûliyuhyûliyuh. yulyuh yûlyûzyulyuh

1) J. Lerchundi, Vocabulario español arabigo del dialecto de Maruecos, Tanger 1892. — E. Doutté, Figuig, notes et impressions (La Géographie, Bullet. d. l. Soc. d. Géog., Paris VII, 1. Sem. 1903, p. 198); J. Lippert, Referat über Tarikh es-Soudan par Abderrahman ben Abdallah ben ‘Imran ben ‘Amiz es-Sa‘di (Mitteil. d. Semin. f. Orient. Sprach, d. Berlin. Univers., II. Jahrg., 2. Abt., 1899, S. 252).

[140 IX. Kapitel. Zeitrechnung der Naturvölker.]
Südspan. 13. Jahrh.Marokko Figig
[Südwest-Marokko]
Nord-Marokko
aghushtaghusht r'ushtghosht
shûtanbarshutanbir shutânbirshutanbir

aktûbir ktûberektûber
nuwanbarnuwanbir nuwânbirnuwanbîr
dhudschanbardudschanbir duwânbirdudschanbir

Mehrere Eigentümlichkeiten weisen (nach den allerdings nicht in allen Punkten überein­stimmenden Berichten) die Zeitrechnungsarten der Yorubaländer (Westafrika) auf. Die das Tschi sprechenden Stämme an der Goldküste haben ein Mondjahr. Der Monat wird mit dem Neulichte angefangen. In der Teilung des Mondmonats weichen die Stämme voneinander ab. Die das Tschi und das Ga redenden Stämme rechnen die ersten 3 Wochen zu 7 Tagen, die letzte zu 8 Tagen; nach den gekoppelten Namen der Ga-Woche zu schließen, scheint diese ehemals 6 Tage gehabt zu haben. Die Yoruba-Woche hat nur 5 Tage, der Monat 5 Wochen zu 5 Tagen, die letzte Woche zu 4 Tagen. Die Benin-Stämme sollen eine ganz ähnliche Monats­teilung besitzen. Die Aschanti zerlegen den Mondmonat in 3 Teile, nämlich in zwei Dekaden und eine Woche von 9 Tagen; die Yebu-Woche hat 5 Tage, 6 solcher Wochen machen einen Monat. Allen diesen Stämmen scheint eigentümlich zu sein (nach Ellis, D'Avezac u. a.), daß der erste Wochentag des Monats (Neulicht) als Ruhetag, Festtag des Neumondes, betrachtet wird; der Tag gilt als ungünstig und Ge­schäfte werden an demselben vermieden. Für die 7tägige Woche der Tschi-Neger gibt Henrici an, daß sie die Tage nach Genien oder Schutzgeistern benennen; die Tagnamen sind: kwašida, dwoda, benada, wukuda, yawda, fida, memeneda; dieselben finden sich in der südlicher (zwischen den Tschi und Yoruba) verbreiteten Ewe (Ephe)-Sprache mit geringen Varianten wieder. Bei den Ewe rechnet man die Zeit meist nur nach Tagen, seltener nach Wochen (kwašida) und fast nur bei den Gebildeten nach Monaten. In Dahome ist die Rechnung nach Monaten fast gar nicht bekannt, auch sind keine besonderen Wochen­tagnamen vorhanden. Der Begriff vom Jahre ist im Ewe-Gebiete be­kannt, ohne daß aber damit allgemeiner gerechnet wird. Die 5tägige Yoruba-Woche ist aus der Gepflogenheit, die Märkte an jedem 5. Tage abzu­halten, entstanden; auf den Tag ako-ojo d. i. den ersten Monatstag wird der Markttag nie angesetzt. Aus der 5tägigen Marktwoche hat sich bei den Yoruba-Leuten im Handels­verkehr eine 17tägige Marktperiode entwickelt, die sie eta-di-oyun (d. i. drei weniger zwanzig) nennen und die ebenfalls als Hilfsmittel bei der Zeit­messung dient. Eine ähnliche Marktwoche besteht in der Landschaft

[§ 163. Afrika. 141]

Ho im Ewe-Lande. Jak. Spieth berichtet auf Grund von Erzählungen der Eingebornen: „Unsere Woche hat nur vier Tage. Der Ho-Markt ist unser Sonntag, denn an diesem Tage geht niemand auf den Arbeits­platz. Die Namen der Tage sind: Asiamigbe, Awenoegbe, Asiatuigbe, Asigbe; den letzeren nennt man auch asime (Markt), denn an diesem Tage kommen alle Leute zusammen und fragen nach dem Preise der Marktwaren“. „Wir wissen nichts über die Zahl der Tage, die einen Monat ausmachen; wenn wir den Mond sehen [nach Neumond] und er verliert sich dann wieder, so ist ein Monat vorüber“. — Das Yoruba-Jahr ist wahrscheinlich ein rohes Lunisolar- oder Naturjahr, nach den 3 Hauptjahreszeiten (ewo-erun = Trockenzeit, ewo-oye = Harmattan­zeit, ewo-ojo = Regenzeit, erste und zweite) ungefähr reguliert, mit Oktober (?) anfangend1. Bei den Eweern oder wenigstens in der Land­schaft Ho fängt man das Jahr an, wenn der Yamsacker bestellt wird. „Wenn der Yams gegraben und das dürre Gras abgebrannt ist (Februar, März), dann ist ein Jahr vorüber“. Die Ho-Leute unter­scheiden drei Hauptzeiten ihres Jahres: adame (März bis Juni), keleme (Juli bis Oktober) und pepi (November bis Februar). — Die Yoruba teilen die Nacht nach dem 1., 2. und 3. Hahnenschrei, für die Haupt­teile des Tages: Frühmorgen, Vormittag, Mittag, Nachmittag, Abend haben sie besondere Worte. — Von den Adeli-Negern im Hinterlande der deutschen Kolonie Togo berichtet L. Conradt, daß dort eine 6tägige Woche geführt wird und der Monat 5 solcher Wochen habe. Da das Jahr ein Mondjahr sein soll, so wird es sich dabei wahr­scheinlich um ähnliche Verkürzungen des Mondmonats handeln wie bei den Yoruba. Schließlich muß noch bemerkt werden, daß in mehreren Guinea-Kolonien die europäischen Monatsnamen Eingang gewinnen.

Das Zeitrechnungswesen bei den übrigen Negervölkern Afrikas ist meist sehr unentwickelt. Die Mondbewegung hat überall, wo die Länge des Jahres wenigstens einigermaßen bestimmt wird, die Ent­scheidung. Die Verehrung des Mondes, die sich durch den Monats­anfang mit dem Neulichte sowie durch Feste, die mit Tanz und Gesang bei Neumond oder bei Vollmonden gefeiert werden, kund gibt, ist sehr verbreitet. Der Mond bestimmt auch vielfach die Tage, welche als glücklich oder unglücklich gelten, wie am Senegal, in Akra, bei den Aschanti und Eweern. Das Jahr wird gewöhnlich durch die Wiederkehr der Regen- und Trockenzeiten und nach den damit verbundenen Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt notdürftig abgeschätzt. Stark verbreitet ist die Sitte, die Zeit der Anpflanzung


1) Das 365tägige Sonnenjahr, welches D'Avezac den Yebu zuschreibt, beruht ganz auf einem Mißverständnis.

[142 TX. Kapitel. Zeitrechnung der Naturvölker.]

wichtiger Kulturpflanzen, wie der Yamswurzel u. dgl. durch ein Fest zu begehen; fast nirgends zu fehlen scheint (wenigstens in Westafrika) das Erntefest (bei den Ewe im September). — Im einzelnen sollen hier noch einige neuere Nachrichten über die Zeiteinteilung bei den Herero, Massai und einigen anderen Stämmen gegeben werden. Bei den Herero weisen die Monatsnamen (nach H. v. François) auf Tiere, Pflanzen und Jahreszeiten:

Die Länge der Monate ist ziemlich unbestimmt, die Zwölfzahl der Monate jedenfalls nach den Mond­wechseln festgesetzt. Ebensowenig ist der Begriff des Jahres festgelegt; es wird nur nach Perioden (otyondo plur. oviondo), und zwar von einer Regenzeit zur nächsten gerechnet. Zur Markierung einer solchen Periode benützt man auf­fällig gewesene Ereignisse; die Jahre 1877, 1881 und 1883 z. B. wurden von den Herero folgenderweise benannt: 1877 otyovombane = das des Hagels, 1881 otyomativa = das der Würmer, 1883 otyoniose = das des Kometen. — Die Massai und Wafiomi haben eine rohe Zeiteinteilung nach dem Monde und den Jahreszeiten (Baumann). — Die Markt­woche, von welcher für das Küstengebiet von Guinea oben (S. 140 f.) die Rede war, kommt auch in Innerafrika, bei den Bantu des Kongo­gebietes vor; dort ist sie 4tägig. Die Wochentage haben Namen; bei den Fiote heißen sie (nach Dancos) nkandu, nkonzo, nkenghe, nsona. Das Zählen der Tage geschieht bei den tiefer stehenden Negerstämmen vielfach mit Hilfe von Knotenschnüren, Kerbhölzern oder Bündeln von Stäbchen, die täglich verbraucht werden, so bei den Hottentoten.


1) Vley sind Vertiefungen des Erdbodens, welche Wasser enthalten, zu bestimmten Zeiten aber austrocknen; sie sind wichtig für das Tränken des Viehs.

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