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[§ 185. Das bissextum. 277]

§ 185. Das bissextum.

Die Veränderungen in der Tageszählung des neuen Kalenders gegen die des vorcaesarischen sind folgende. Die 10 hinzutretenden Tage wurden an 7 Monate verteilt, und zwar je 2 Tage auf die Monate Ianuarius, Sextilis und December, je 1 Tag auf die Monate Aprilis, Iunius, September, November3. Die Monatslängen veränderten sich also wie folgt:


altröm.julian.
altröm.julian.
altröm.julian.
Januar2931 Mai3131 Septbr.2930
Februar2828 Juni2930 Oktbr.3131
März3131 Juli3131 Novbr.2930
April2930 Aug.2931 Dezbr.2931

3) Censorin XX 9: Itaque diebus CCCLV addidit decem, quos per septem menses, qui dies undetricenos habebant, ita discriberet, ut Ianuario et Sextili et Decembri bini accederent, ceteris singuli; eosque dies extremis partibus mensium adposuit, ne scilicet religiones sui cuiusque mensis a loco summoverentur.Macrob. I 14, 9: Sed nec post Idus mox voluit inserere, ne feriarum quarumque violaretur indictio, [Fortsetzung der Fußnote]

[278 X. Kapitel. Zeitrechnung der Römer.]

Die eingelegten Tage kamen an das Ende der Monate, mit Ausnahme des April, wo der hinzukommende Tag, weil wegen der Floralien nicht ein a. d. III. Kal. Mai. eingeschoben werden konnte, zwischen dem 25. und 26. April eingesetzt wurde. Es stellte sich also die neue Datierung folgendermaßen:

IanuarAprilIuni
altröm.julian. altröm.julian. altröm.julian.
28.a.d.III 28.a.d.V 25.a.d.VI 25.a.d.VII 28.a.d.III 28.a.d.IV



29.IV


26.VI


29.III



30.III 26.V 27.V 29.prid. 30.prid.
29.prid. 31.prid. 27.IV 28.IV











28.III 29.III











29.prid. 30.prid.





AugustSeptember u. NovemberDecember
altröm.julian. altröm.julian. altröm.julian.
28.a.d.III 28.a.d.V 28.a.d.III 28.a.d.IV 28.a.d.III 28.a.d.V



29.IV


29.III


29.IV



30.III 29.prid. 30.prid.


30.III
29.prid. 31.prid.





29.prid. 31.prid.

Die Monate Februar, März, Mai, Juli, Oktober blieben in der Tages­zählung gegen früher ungeändert.

Es fragt sich, wohin Caesar den Schalttag im Februar gesetzt hat. Nach Censorin und Macrobius1 geschah dies gleich nach den Terminalien (23. Febru­ar) VII Kal. Martias. Um an der Be­nennung der Tage wegen des Schalttages nichts ändern zu müssen, bezeichnete Caesar den Schalttag als a. d. bis sextum Kal. Martias, woraus die Bezeichnung bissextum entstand2. Nach Einfügung des Schalttages konnte datiert werden:


[Anfang der Fußnote] sed peractis cuiusque mensis feriis locum diebus aduens fecit. et Ianuario quidem dies, quos dicimus, quartum et tertium Kalendas Februarias dedit, Aprili sextum Kal. Maias, Iunio tertium Kal. Iulias, Augusto quartum et tertium Kal. Septembres, Septembri tertium Kal. Octob., Novembri tertium Kal. Decbr., Decembri vero quartum et tertium Kal. Ianuarias.

1) Censorin XX 10: ut ubi mensis quondam solebat post Terminalia intercalaretur.Macrobius 1 14, 6: eo scilicet mense ac loco, quo etiam apud veteres mensis intercalabatur, id est ante quinque ultimos Februarii mensis dies, idque bissextum censuit nominandum.

2) Die Bezeichnung bissextum ist die spätere; ursprünglich hieß der Tag wahrscheinlich nur dies intercalaris. In der christlichen Zeit übertrug man den Ausdruck bissextus auch auf das Schaltjahr, welches annus bissextus (zuerst bei Augustinus) genannt wurde.

[§ 185. Das bissextum. 279]
entwederoder
Februar24 a. d.VI Kal. Mart. Februar24 a. d.bis VI Kal. Mart.
25 bis VI Kal. Mart. 25 VI Kal. Mart.
26 V Kal. Mart. 26 V Kal. Mart.

Es ist viel darüber gestritten worden, ob der 24. oder 25. Februar als das bissextum anzunehmen sei. Bei den römischen Juristen wird der Tag a. d. VI. Kal. Mart. samt dem Schalttage als eine Einheit, als bissextum aufgefaßt, wodurch ein Gegensatz zu Censorin und Macrobius entsteht1. Th. Mommsen hat sich aus zwei Gründen dafür entschieden, daß der 25. Februar, also der zweite Tag des biduum das bissextum gewesen ist. Der eine Grund war die in Cirta entdeckte Inschrift2:

Templum dedic(atum) L. Venuleio Aproniano
(iterum) L. Sergio Paulo (iterum) cos(s)
[d. i. 168 n. Chr.]
V. K(alendas) Mart(ias) qui dies post bis VI. K(alendas)
fuit

Hier heißt aber post bis VI. Kal. nach dem 24. und 25. Februar wie bei den Juristen, und ist wahrscheinlich gemeint, daß V. Kal. Mart. die Bedeutung im Schaltjahre (26. Februar) habe. Auch der andere Grund, der Tag der Thron­besteigung Valentinians (Ammianus XXVI, 1, 7) läßt sich gegenteilig deuten3. Die Neueren sehen deshalb den früheren Tag, den 24. Februar als Schalttag an. Die christliche (lateinische) Kirche hat von jeher am 24. Februar als Schalttag festgehalten, denn der Name des hl. Matthias, im Gemeinjahre am 24. Februar, fällt in Schaltjahren auf den 25.; ebenso verschieben sich die Namen vom 25.—28. Februar in Schaltjahren auf den 26.—29. Februar. Da die Römer die Tage von den Kalenden nach rückwärts zählen, so ist auch eigentlich zu schließen, daß rückwärts gezählt zuerst a. d. VI. Kal. Mart. und dann a. d. bis VI. Kal. Mart. kommen würde, also der Tag a. d. bis VI. Kal. vor dem des a. d. VI. Kal. steht. Wir können also den 24. Februar als Stelle des Schalttags annehmen. Im römischen Recht konnte es dagegen in manchen Fällen richtig sein, daß man den zweiten Tag als Schalttag betrachtete4.


1) Celsus, Digest. L 16, 98: Cum bissextum Kalendas est, nihil refert, utrum priore, an posteriore die quis natus sit, et deinceps (in den folgenden Gemein­jahren) sextus Kalendas eius natalis dies est: nam id biduum pro uno die habetur; sed posterior dies intercalatur, non prior. Von Ulpian, Dig. VI 4, 3, 3 zitiert.

2) Corp. Inscr. Lat. VIII 6979 = Dessau Inscr. Lat. select. 4919.

3) Unger, Berl. philol. Wochenschr., 1882, S. 187 f.

4) S. hierüber Soltau, R. Chr. 169. 170.

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